Zeitzeugengespräch mit Lili Keller Rosenberg

Von Nicolas |

Am Mittwoch, 24.09., besuchten die Schüler*innen des Französisch-Kurses der 12. Klasse ein Zeitzeugengespräch mit der französischen Holocaust-Überlebenden Lili Keller Rosenberg. Die 94-Jährige erzählte anlässlich eines mehrtägigen Besuchs in Thüringen Jugendlichen aus Weimar und Umgebung über ihr Leben und die Verfolgung ihrer Familie durch die nationalsozialistische Diktatur. Nicht nur vom FSG, sondern auch von zahlreichen anderen Schulen aus Weimar und Umgebung waren viele Schüler*innen in die Weimarer Sendehalle gekommen, um mit ihr ins Gespräch zu kommen.

Lili Keller Rosenberg, geboren 1932 im Norden Frankreichs, wurde am 27. Oktober 1943 im Alter von 11 Jahren zusammen mit ihrer Familie in das Konzentrationslager Ravensbrück und später ins KZ Bergen-Belsen deportiert. Sie überlebte gemeinsam mit ihrer Mutter und ihren Brüdern die anderthalbjährige Inhaftierung, ihr Vater jedoch wurde kurz vor Kriegsende in Buchenwald erschossen.

Es war eindrucksvoll, wie offen und ungebrochen Lili Keller Rosenberg nicht nur über ihre Zeit im NS-Lagersystem berichtete, sondern auch ihren anschließenden Weg zurück ins Leben und ihr Engagement als Zeitzeugin schilderte. Trotz der schrecklichen Erfahrungen, die sie erleben musste, sprühte sie im Vortrag und in der anschließenden Fragerunde vor Energie und Enthusiasmus, ihre Lebensgeschichte mit unserer jungen Generation zu teilen.

Trotz der anfangs von uns befürchteten Sprachbarriere konnten wir ihren Ausführungen dank ihrem klar verständlichen Französisch, ihrer lebhaften Erzählweise und einer Simultandolmetscherin über die gesamte Veranstaltung aufmerksam zuhören und ihr auch mehrere Fragen zu Bestandteilen ihrer Biografie stellen.

Das Gespräch war ein besonderer und lehrreicher Einblick in eine von unzähligen Geschichten von Überlebenden der Shoa, des gezielten Genozids der Nationalsozialisten an über 6 Mio. Jüdinnen und Juden in ganz Europa in den Jahren 1941-1945. Wir waren zutiefst beeindruckt, mit welcher Offenheit und Courage Lili Keller Rosenberg über diese für sie zutiefst traumatische Zeit sprach, zumal die Gelegenheiten, den Zeugen der nationalsozialistischen Verbrechen zuzuhören, mit jedem Jahr weniger werden.

Vor diesem Hintergrund war auch ihr Appell an unsere Generation eindrücklich und bewegend:
„Jugend, seid wachsam, seid mutig, denn es liegt an euch, dafür einzutreten, dass sich die Geschichte nicht wiederholt und Toleranz und Frieden auf der Welt herrschen!“