Am 10. Februar wurde der Gewölbekeller der Stadtbibliothek Weimar einmal mehr zur Bühne für große Worte, leise Töne und beeindruckende Auftritte: Das Friedrich-Schiller-Gymnasium lud zum Rezitationswettstreit ein und ich, die seit November 2025 Referendarin für die Fächer Deutsch und Geschichte am FSG ist, durfte diesen besonderen Nachmittag zum ersten Mal miterleben.
Schon der Veranstaltungsort hätte passender kaum sein können: Der historische Gewölbekeller, Sinnbild für Literatur, Austausch und geistige Begegnung, bot den idealen Rahmen für das diesjährige Motto: „Ein wahrer Freund trägt mehr zu unserem Glück bei als tausend Feinde zu unserem Unglück.“ – ein Zitat Marie von Ebner-Eschenbach anlässlich ihres 110. Todestages.
Freundschaft also – ein Thema, das in der Literaturstadt Weimar natürlich sofort Assoziationen weckt. Unsere beiden Moderatorinnen Alea und Theresa aus der 12. Klasse, die bereits zum vierten Mal souverän durch den Wettstreit führten (und selbst beste Freundinnen sind), spannten immer wieder den Bogen zur klassischen Weimarer Literatur, nicht zuletzt zur berühmten Freundschaft zwischen Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller. Mit Charme, Witz und spürbarer Begeisterung führten sie durch zwei abwechslungsreiche Wettbewerbsrunden.
In der ersten Runde traten 16 Schüler*innen der 5. und 7. Klassen an. Von klassischen Gedichten bis hin zu humorvollen Texten war alles vertreten. Besonders in Erinnerung bleibt Claras Vortrag aus der Klasse 5a: Mit spürbarem Witz und sicherem Gespür für Pointen präsentierte sie „Die Freunde“ Wilhelm Busch und sicherte sich damit verdient den ersten Platz.
Die zweite Runde mit neun Teilnehmenden aus der 9. und 11. Klasse zeigte, wie vielfältig Rezitation sein kann. Neben klassischer Lyrik wurden auch moderne Texte eindrucksvoll vorgetragen. Besonders überzeugte Leonas (Klasse 11), der mit dem Songtext „Topf und Deckel“ von Danger Dan den ersten Platz erreichte. Mit sehr gelungener Rhetorik, Witz und zugleich spürbarer Tiefgründigkeit gelang ihm eine Interpretation, die sowohl inhaltlich als auch performativ beeindruckte.
Die Jury, hauptsächlich bestehend aus Schüler*innen der 11. Klasse, die in der ersten Runde aber durch Vertreter*innen der jüngeren Klassenstufen unterstützt wurde, hatte es in beiden Durchgängen alles andere als leicht. Zwischen Ausdruckskraft, Textverständnis, Bühnenpräsenz und stimmlicher Gestaltung lagen die Leistungen oft dicht beieinander. Umso größer war die Freude über die verdienten Büchergutscheine, die als Preise den ersten drei Plätzen überreicht wurden.
Der Nachmittag hat gezeigt, wie vielfältig Rezitation sein kann: klassisch oder modern, humorvoll oder nachdenklich. Entscheidend ist die persönliche Auseinandersetzung mit dem Text. Für mich war es ein gelungener erster Einblick in eine Veranstaltung, die Literatur am Friedrich-Schiller-Gymnasium lebendig und generationenübergreifend erfahrbar macht. Und vielleicht gilt am Ende nicht nur das Zitat von Marie von Ebner-Eschenbach für die Freundschaft, sondern auch für diesen Abend: Ein gelungener literarischer Wettstreit trägt mehr zu unserem Schulglück bei als tausend Klassenarbeiten zu unserem Stress.
Frau Starrach



